Vertrauen und Sicherheit vermitteln

Die Neurowissenschaftlerin Barbara Studer sprach im Rahmen der Veranstaltung «Lunch am Puls» über «Führen mit Kopf und Herz» und wie man sein eigenes Potential ausschöpft. 

Zum dritten und letzten Mal war die Neurowissenschaftlerin Barbara Studer zu Gast bei «Lunch am Puls». Ihr Thema: «Führen mit Kopf und Herz.» Wie kann man die psychologische Sicherheit von Mitarbeitenden fördern? Das Thema Vertrauen ist zentral. «Wenn Mitarbeitende Angst vor Fehlern haben, entsteht Stress», so Studer. Die Amygdala, so etwas wie die Meldezentrale für Gefahr im Hirn, wird aktiviert, das Cortisol nimmt zu, der Herzschlag wird erhöht. Produktiver und fokussierter sind wir, wenn der Frontal Kortex aktiviert ist.

Das so genannte Feelset sei wichtig, so Studer. Wie fühle ich mich in einer Gruppe? Mitarbeitende sollten sich nicht nur in ihrer Rolle, sondern auch als Person gesehen und respektiert fühlen. Das bedinge eine gute Fehlerkultur. Unser Hirn kann voraussehen, wenn Kritik kommt. «Wir sind sehr schnell im interpretieren», so Studer. «Und wir nehmen wahr, was wir erwarten.» Vergleiche auf den sozialen Medien etwa seien immer ein Verlustgeschäft. Denn es gebe immer schönere, stärkere und erfolgreichere Menschen dort. Auch sich über andere zu erheben sei kontraproduktiv, um sein eigenes Potential auszuschöpfen. 

Fehler als Sprungbrett 

Wie lässt sich eine gute Fehlerkultur etablieren? «Fehler sind Lernhelfer und können als Sprungbrett genutzt werden», so Studer. Die Schule trainiere uns das leider ab. Es sei richtig Fehler zu sehen, aber man sollte dabei auf den Lernmoment fokussieren. «Fehler bringen uns dazu, hinzuschauen», so Studer. Sie können ein Gamechanger sein.

Wie kann man auf eigene Fehler und auf solche von anderen reagieren? Wer Fehler mache, habe sich auf etwas eingelassen. Statt sich auf den Fehler zu fokussieren, sollte man stolz sein, es versucht zu haben. «Cool du hast Mut gehabt» – wäre ein mögliches Credo, um auf den Lernmoment, statt auf den Fehler zu fokussieren. Als Führungskraft könne man Unterstützung anbieten: «Wir haben ein Durcheinander gemacht, wie können wir das gemeinsam strukturieren?» Dazu brauche es eine offene Diskussionskultur. «Weniger Tabus, mehr Offenheit.»

Studer liess die Versammelten gleich selbst über gute Bedingungen reflektieren. Selbstfürsorge, Pausen, Atmen und Gelassenheit wurden genannt. Sich selbst nicht wie eine Maschine behandeln und Sinnhaftigkeit in seiner Tätigkeit zu empfinden sei förderlich, so Studer. Auch Gestaltungsfreiheit und Autonomie wirkten motivierend. Welche Aktivitäten helfen uns, um in Balance zu kommen? Was aktiviert Ressourcen, wenn ich gestresst bin? «Menschen, die sich verbunden fühlen, sind in Balance», so Studer. «Wir brauchen einander, um mental stark zu sein.» Liebe sei hochaktivierend und stärkend für die mentale Gesundheit. Wer sich hingegen ausgeschlossen fühle und negatives Feedback bekomme, dessen Hirn reagiere gleich wie bei physischem Schmerz. 

Sinnlosigkeit ist ermüdend 

Ein weiterer Faktor, ist die Sinnhaftigkeit. «Unsere Dopaminpumpe wird dadurch angeregt», so Studer. Dabei gebe es auch so genanntes Vorschussdopamin, ein Antriebshormon, das schon einsetze, bevor man etwas Cooles erlebt habe. Menschen, die wüssten, was ihr Beitrag sei, hätten ein signifikant geringeres Risiko, an einem Burnout zu erkranken. «Alles, was man als nicht sinnvoll erachtet, ist ermüdend.»

Gut für das Gehirn? Wenn man selber entscheiden kann, Lösungswege ausprobieren darf. Wird hingegen eine ständige Erreichbarkeit erwartet, ist das nicht gesund. Viele fühlten sich überlastet durch die vielen Ablenkungsmanöver, etwa durch New-Apps oder KI-Tools. Das führe zu einer Fragmentierung der Aufmerksamkeit und letztlich zu einem Verlust von Ressourcen. «Das Wertvollste ist unsere Zeit», so Studer. Dabei gingen wir oft damit um, als wäre sie massenhaft vorhanden.

Selektiver müssten wir alle werden. Unser Gehirn sei nicht fürs Multitasken gemacht. Doch wie kann man achtsame Momente in den Alltag integrieren? Studer empfiehlt unter anderen das Barfussgehen. Es sei gesund und regulierend. Auch aufmerksam essen und trinken – etwa mit geschlossenen Augen – erhöhe die Achtsamkeit. Gerüche bewusst riechen, Musik hören oder sich in die Natur begeben könnten Glückshormone – die Antagonisten von Stresshormonen – aktivieren. Wer regelmässig achtsam Musik höre, könne das Demenzrisiko senken.

Sie könne nicht gehen ohne zu spielen, meinte Studer zum Schluss und holte, wie bei ihren vorangehenden Referaten, ihre Geige hervor. «Wir grooven zusammen», schlug sie vor und liess die Gruppe einen Dreiklang summen. So demonstrierte sie wie man miteinander in Resonanz gehen kann. 

Text: Helen Lagger
Bild: Matthias Hunziker

Weitere Informationen

Barbara Studer ist Gründerin und CEO von Hirncoach. Hirncoach bietet wirksame Programme für die mentale Fitness und Gesundheit an.
Einen kostenlosen Hirnfitness-Check, Impuls-Letter und weitere Informationen finden Sie unter www.hirncoach.ch

Mehr zu Barbara Studer: Studertalk 

Die Reihe «Lunch am Puls» bietet regelmässige Referate von Fachpersonen zu aktuellen Themen:
Lunch am Puls