emMENTAL - Netzwerk psychische Gesundheit
Den Anstoss gab die Durchführung der ensa Erste-Hilfe-Kurse der Reformierten Kirchen Bern- Jura-Solothurn in Langnau. Aus den Teilnehmenden formierte sich eine Interessengruppe, die sich mehr Unterstützung als «nur» Erste Hilfe für psychisch Erkrankte wünschte. Dies motiviert die ensa-Dozentin der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, Manuela Grossmann-Rufibach, sich als Langnauer Pfarrerin für dieses Thema zu engagieren.
Die 33-jährige Pfarrerin ist eine Macherin, denkt schnell, verbindet urbane und ländliche Perspektiven und handelt vor allem praktisch – ihre Wesensart kam dem Emmentalprojekt zugute. Als sie dem Anliegen nachging und feststellte, dass im Emmental tatsächlich ein Mangel an Unterstützung für Menschen mit psychischen Problemen herrschte oder Unkenntnis über bestehende Angebote vorlag, griff sie zum Telefon. Kurz entschlossen kontaktierte sie 25 Schlüsselpersonen und organisierte ein erstes Treffen mit Fachkräften und ehemaligen Betroffenen im Kirchgemeindehaus Langnau. Anwesend waren Emmentaler Fachstellen aus Psychiatrie und Krisenintervention, Ehe- und Partnerschaftsberatung, Spitex, Angehörigenberatung, die Stiftung Berner Gesundheit, Selbsthilfegruppen, Sozialdienste, Jugendarbeit, Erziehungsberatung sowie freiberufliche Pflegefachpersonen, ein Arzt und Gemeinderätinnen aus der Region. Mit dabei war auch Anita Schürch von der Berner Fachhochschule, die im Auftrag der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn das Treffen moderierte und die Beteiligten hinsichtlich Prozessgestaltung und Struktur beriet. So wurde die Emmentaler Caring Community zum Thema «psychische Gesundheit» ins Leben gerufen. Nach dem Netzwerktreffen kristallisierten sich drei Hauptanliegen heraus.
Peers, Info-Plattform und Hausbesuche
Es sollen nicht nur Fachpersonen, sondern auch ehemalige Betroffene und Angehörige – sogenannte Peers – als Ansprechpersonen für Menschen mit psychischen Erkrankungen hinzugezogen werden können. Zudem möchte man zu den Hilfesuchenden nach Hause gehen, um dort in ihrem gewohnten Umfeld Gespräche zu führen und Beratung anzubieten. Diese ambulanten Teams sind nichts Neues; beispielsweise werden sie von den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern (UPD) seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Jedoch gibt es diese Dienstleistung im Grossraum Langnau bislang noch kaum. Ausserdem soll ein Telefondienst für Betroffene eingerichtet werden. Eine ungeklärte Frage ist, wie die Peers entschädigt werden können.
Begegnungszentrum
Es werden Ideen geprüft, ob eine leerstehende Liegenschaft in der Region in ein inklusives Begegnungszentrum umgewandelt werden könnte. Noch ist man weit von der Realisierung entfernt, doch um etwas Innovatives zu realisieren, braucht es immer zuerst die Begeisterung und die vielleicht etwas «gesponnene» Vision einzelner Menschen. Das Arbeitsgruppentreffen dient als Echoraum und Ressourcenpool, um das Potenzial der Idee besser einzuschätzen und um mögliche Unterstützerinnen und Unterstützer für Analyse- und Projektentwicklung zu finden.
Sichtbarkeit fördern und formale Strukturen finden
Als Erstes stand eine Namensfindung auf dem Programm – nur so kann dieses Projekt bekannt gemacht werden. Weiter benötigt es eine Webseite, die die Absichten dokumentiert und bestehende sowie geplante Angebote vorstellt. Auch rechtliche und organisatorische Fragen stehen im Raum: Hilft es beispielsweise, wenn sich die ehemaligen Betroffenen als Verein organisieren, damit sie nicht als Privatpersonen Teil des Projekts sind?
Beim zweiten Netzwerktreffen Ende Januar 2025 ging es primär darum, wie man den drei Hauptanliegen begegnen möchte. Die Themen wurden vertieft besprochen und konkrete Schritte definiert; es war Zuversicht zu spüren. Es zeigte sich jedoch auch: Ohne das persönliche Engagement unterschiedlichster Menschen wäre diese Caring Community nicht ins Leben gerufen worden. Neben Pioniergeist und Aufbauarbeit benötigt es professionelle Strukturen. Die Ziele müssen nun konkretisiert werden. Es gilt, rechtliche Fragen zu klären, Entschädigungsansätze festzulegen und so die künftige Praxis zu gestalten. Die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn stellten einen finanziellen Betrag für die Startphase aus dem Erprobungsfonds von «Kirche in Bewegung» (KiB) zur Verfügung. Im Sommer 2025 planen die Verantwortlichen, zusätzliche finanzielle Mittel zu generieren. Geld allein wird nicht ausreichen, damit diese guten Absichten und Ideen im Emmental zum Fliegen kommen; aber es würde sicherlich helfen – denn die Gruppe wächst stetig und die Visionen sind gross.
Foto: Daniel Gaberell
